Handballer starten in die Rückrunde

Nach vierwöchiger Corona-Unterbrechung plant der BHV mit einem Neustart am 29. Januar

Mit dieser Nachricht hatten in der aktuellen epidemischen Lage die wenigsten gerechnet: Der Bayrische Handballverband hat in seiner Tagung vergangene Woche entschieden, dass die Handballsaison 2021/22 tatsächlich fortgeführt wird. Dies sei auf Grundlage einer Umfrage unter den aktiven Trainern aller Mannschaften im Handballverband Bayern entschieden worden. So hätten über 70% in den „unteren“ und über 80% aller Trainer der „höherklassigen“ Mannschaften für eine Fortsetzung der Saison gestimmt, so die Offiziellen des BHV. Dass die Saison allerdings alles andere als normal weitergeführt wird, war bereits bei Saisonbeginn klar. Da vor dem Start der Staffel 21/22, im Gegensatz zu den vergangenen Spielzeiten, bereits mit einem „Worst-Case-Szenario“ geplant wurde und daher bereits vor den ersten Spielen feststand, dass, im Falle einer erneuten Pausierung der Saison, unter anderen Umständen weitergespielt werden würde. So wird auf Bezirksebene (also bis zur BOL) nur die Hinrunde zu Ende gespielt, um den Aufstieg kämpfen die Mannschaften dann in einem Turnier unter den Tabellenführern der einzelnen Bezirke. 

Anders sieht die Situation für das Herren-Landesligateam unter der neuen Leitung von Jan Klaus aus: Diese wird, zumindest zum aktuellen Stand, „normal“ weitergeführt, was bedeutet, dass die coronabedingt verpassten Spiele nachgeholt werden müssen. Für diese Situation wurde bereits vor Saisonbeginn eine zusätzliche Landesliga-Staffel eingeführt, um die einzelnen Ligen kleiner zu halten. Dadurch hat sich eine deutlich verkürzte Spielzeit ergeben, welche es unter den aktuellen Umständen ermöglicht, dass tatsächlich alle Partien nachgeholt werden können. Dies hat allerdings als Konsequenz, dass die Abstiegsregel umso drastischer ist, so steigen in der 10er-Staffel der „Landesliga Mitte-Ost“, in welcher die Mainburger eingeteilt sind, voraussichtlich vier Mannschaften ab und die fünfte Mannschaft spielt um die Relegation. „Dieser Modus ist für uns in unserer aktuellen personellen Lage natürlich dramatisch und wir müssen wohl oder übel mit dem Gedanken spielen, dass es dieses Jahr vielleicht nicht für den Klassenerhalt reicht.“, so Abteilungsleiter Fabian Kuhns über den Abstiegskampf seines Herrenteams. 

Personelle Lage spitzt sich weiter zu

Dass die Kaderdichte auch in der Saison 2021/22 wieder zu wünschen übriglässt, war innerhalb der Abteilung bereits vor dem ersten Spiel bekannt, dennoch konnte man auf viele Hochkaräter in den eigenen Reihen bauen und war sich sicher, eine landesligafähige Truppe auf die Platte zu bekommen. Diese Situation änderte sich allerdings schlagartig, als sich Rückkehrer Jan Klaus im Vorbereitungsspiel erneut schwer am Knie verletzte und klar war, dass er auch diese Saison nicht auf der Platte stehen würde. Der Zwei-Meter-Mann war Garant für schnelle und einfache Tore und eine unfassbar wichtige Figur im Spiel der Mainburger. Ebenfalls abgemeldet hatte sich dann Boris Covic, der aus persönlichen Gründen nicht mehr zum Training erschien und auch für die Rückrunde wohl nicht zur Verfügung stehen wird. Einen Lichtblick gab es zu gleicher Zeit aber mit Neuzugang Luca Kaulitz, der die Mainburger auf Mitte und Linksaußen verstärken sollte. Allerdings behielt sich Kaulitz vor, sein Zweitspielrecht beim Drittligisten VFL Günzburg zu behalten und im Falle eines personellen Engpasses in der Profimannschaft wieder dort anheuern würde. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass diese Situation kommen würde, da Luca zu diesem Zeitpunkt dritter Linksaußen im Kader des VFL war.“, so Kuhns über die damalige Situation. Doch nun, kurz vor dem Neustart im Amateursport, kam der Anruf vom VFL Günzburg mit der Botschaft, dass sich nun der zweite Linksaußen ebenfalls schwer verletzt hatte und Kaulitz das Drittligateam unterstützen müsse. Somit steht auch er den Mainburgern kaum mehr zur Verfügung.

Jugendspieler integrieren und das beste aus der Situation machen

„Viele Spieler unseres Teams sind mittlerweile in einem Alter, wo man auf kurz oder lang auch an ein Ende der aktiven Handballkarriere denken muss, mich eingeschlossen. Und vielleicht ist unsere personelle Notlage, in der wir uns momentan befinden, auch eine Chance, endlich wieder junge Spieler im Kader der Ersten zu integrieren. Wir haben unfassbar großes Potential in unserer A-Jugend und in der zweiten Mannschaft, das wir jetzt für die verbleibende Saison nutzen können. Ob es am Ende für den Klassenerhalt reicht oder nicht, das bleibt abzusehen, aber einen besseren Moment für eine langfristige „Verjüngung“ des Teams als diesen, hatten wir lange nicht. Wir machen einfach das Beste aus dieser Situation.“, so Marius May, Kapitän des Landesligateams und ebenfalls Mitglied der Abteilungsleitung. Dieser „Schlachtplan“ sei auch in enger Zusammenarbeit mit dem neuen sportlichen Leiter der Handballabteilung, Tobias Senger und Cheftrainer der Herren, Jan Klaus, entstanden, ergänzt Fabian Kuhns. 

Nun bleibt abzusehen, ob die Saison übernächsten Samstag tatsächlich fortgesetzt wird. Die Handballer des TSV Mainburg sehen dies nach wie vor kritisch: „Es war schon fast etwas sarkastisch, dass die Nachricht über den „Neustart“ der Saison am gleichen Tag veröffentlicht wurde wie die Tatsache, dass ein neuer Rekord bei den Corona-Neuinfektionen erreicht wurde.“, so Kuhns weiter. Ob und in welcher Art und Weise ein sportlich fairer Wettbewerb stattfinden wird, zeigt sich in den nächsten Monaten.